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Rezension: Klaus Becker – Von der Kraft, den rechten Gesichtspunkt zu treffen. Ein spätes Echo auf Karl Philipp Moritz und einige seiner Zeitgenossen – in einem Briefwechsel aus jüngerer Zeit. Reihe Salon 15, Wehrhahn Verlag 2009


Uwe Gonther
[Journal für Philosophie & Psychiatrie, Jg. 2 (2009), Ausgabe 1]


Klaus Becker, promovierter Pädagoge und Musiker, seit Jahrzehnten aktiv beteiligt an den Veränderungen der Psychiatrie, zunächst in Hannover bei Kisker und immer noch in Bremen, nimmt uns mit auf eine unterhaltsame Reise durch die Psychiatriegeschichte in einem fiktiven Briefwechsel unserer Zeit. Wir erfahren dabei sehr viel über den fast vergessenen, nicht-ärztlichen Ahnen der modernen Seelenheilkunde K. P. Moritz (1756 – 1793). Der war ein Freund Goethes und pflegte Umgang mit den Geistesgrößen seiner Zeit, kurz vor dem Sprung ins 19. Jahrhundert. Aus Moritz Werken, dem recht bekannten „Anton Reiser“ und dem weniger populären „Andreas Hartknopf“ sowie dem legendären „Magazin für Erfahrungsseelenkunde“ wird zitiert und eine Kritik an der etablierten Medizin der Aufklärung formuliert, die auch gegen heutige Vereinseitigungen zielt. So gerät neben den aktuellen Trends in den alles erklärenden Neurowissenschaften auch eine Wiederbelebung der Philosophie in der Heilkunde ins Visier, jedenfalls wenn diese sich nicht konsequent in der Unterstützung des einzelnen leidenden Menschen als hilfreich erweist. Besonders scharf werden die Neusprech-Ungetüme im Zusammenhang mit der allgemeinen Ökonomisierung aufs Korn genommen. Dabei kann Becker die realen Äußerungen bestimmter so genannter Manager übernehmen, sie sind schlimmer als jede Satire. Zurück in die Geschichte: neben vielen spannenden Beschreibungen unserer Altvorderen empfinde ich als außerordentlich anregend die Vorstellung des Berliner Arztes Marcus Herz, Schüler Kants und Moritz als Freund und Arzt persönlich verbunden, der eine Theorie der ärztlichen Kunst geschaffen hat, welche modern erscheint. Im Buch wird gewechselt zwischen den Briefen der alten Freunde, die im Ton echter Verbundenheit einander Mitteilungen über ihnen bedeutsame fachliche Rückbesinnungen (auf anthropologische und sozialpsychiatrische Konzepte) machen und medizinhistorischen sowie literaturwissenschaftlichen Ausarbeitungen und Essays über das 18. und frühe 19. Jahrhundert.

Insgesamt handelt es sich um ein Buch, welches sich als kurzweilig und inhaltsschwer zugleich charakterisieren lässt, ein lehrreiches Lesevergnügen für alle, die an der Geschichte der Seelenheilkunde interessiert sind und kritische Seitenhiebe auf manche aktuelle Entwicklung aushalten oder gar genießen können. Klaus Becker hat ein ungewöhnliches und ungewöhnlich schönes Buch geschrieben.


Dr. med. Uwe Gonther
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Behandlungszentrum Ost
Klinikum Bremen-Ost
Züricher Str. 40
28325 Bremen
uwe.gonther@klinikum-bremen-ost.de

Dr. Uwe Gonther ist leitender Oberarzt in Bremen-Ost, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie; Veröffentlichungen u.a. zu Hölderlin, Kurt Cobain, Willensfreiheit.




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